Die Österreicher:innen haben 2024 spürbar mehr gespart als im Vorjahr. Laut vorläufigen Daten von Statistik Austria legten die privaten Haushalte im vergangenen Jahr 11,7 % ihres verfügbaren Einkommens zur Seite – ein markanter Anstieg gegenüber der Sparquote von 8,7 % im Jahr 2023. Damit liegt der Wert nicht nur deutlich über dem Vorjahr, sondern auch über dem Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2019, der bei 8,0 % lag.
Hier ein Screenshot von der Website der Statistik Austria, welcher die Entwicklung der Sparquote seit 2006 zeigt. Zuletzt stieg die Sparquote in Österreich wieder gehörig an:

Trotz eines moderaten realen Wachstums des privaten Konsums von nur +0,1 %, verzeichnete das reale verfügbare Einkommen der Haushalte einen Anstieg von +3,5 %. „Die großen Unsicherheiten haben die Sparneigung der österreichischen Haushalte ansteigen lassen“, erklärt Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas. Die Teuerung dürfte dabei eine doppelte Rolle gespielt haben: Einerseits wurde mehr Einkommen für alltägliche Ausgaben benötigt, andererseits trieb die wirtschaftliche Unsicherheit die Vorsicht beim Geldausgeben in die Höhe.
Einkommenszuwächse durch Lohnanpassungen und Sozialleistungen
Im Detail stieg das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck 2024 auf 285,7 Mrd. Euro, ein nomineller Zuwachs von +6,8 % gegenüber dem Vorjahr. Getragen wurde dieser Anstieg unter anderem vom Arbeitnehmer:innenentgelt (+8,5 %) und monetären Sozialleistungen (+10,3 %) – beides beeinflusst durch verzögerte Inflationsanpassungen bei Löhnen und Pensionen.
Auf der Ausgabenseite legten auch die Sozialbeiträge (+7,7 %) sowie die Einkommensteuern (+7,4 %) zu. Im Gegensatz dazu verzeichneten Selbständigeneinkommen, Betriebsüberschüsse und Vermögenseinkommen ein Minus von 4,2 %, was auf die Volatilität dieser Einkommensquellen hinweist.
Wachstum bei Einkommen – Zurückhaltung beim Konsum
Die Kombination aus realem Einkommensplus und stagnierendem Konsum erklärt die deutlich gestiegene Sparquote. Viele Haushalte dürften das zusätzliche Einkommen also nicht in den Konsum gesteckt, sondern bewusst auf die Seite gelegt haben – sei es als Sicherheitsreserve, als Reaktion auf die Teuerung oder zur Vorsorge.
Hintergrund zur Statistik:
Die Daten beruhen auf den vierteljährlichen nichtfinanziellen Sektorkonten gemäß ESVG 2010. Die Sparquote ergibt sich aus dem Verhältnis von Erspartem zum verfügbaren Einkommen und berücksichtigt auch betriebliche Versorgungsansprüche. Preisbereinigt wird über den Konsumdeflator, der 2024 bei 3,2 % lag.
Fazit:
Das Jahr 2024 zeigt einen klaren Trend zu mehr Sparen – trotz oder gerade wegen wirtschaftlicher Unsicherheiten. Die Haushalte in Österreich agieren vorsichtig und legen mehr beiseite, was sich in einer Sparquote auf Rekordniveau niederschlägt.